Kulturschock Zelle Reutlingen

Träume

In über 40 Jahren hat die Zelle verschiedene Häuser bewohnt. Angefangen „unten beim Samen - Sprandel in der Lederstraße“ 1968 (ungefähr da wo heute Billy-Bobs residiert), war sie so was wie eine Galerie, mit Bildern, Lesungen, Konzerten, Filmen und so… Doch die Zeit kam, als das Aufbegehren bis in die kleine schwäbische Großstadt vordrang und diese „Antigalerie“ sich zu einem Kulturzentrum wandelte, in dem Platz war für neue Ideen für ein anderes Leben, eine andere Kultur, eine Gegenkultur zur braven schwäbischen Bürgerlichkeit. Endlich gab es eine Chance, einen Raum in dem Träume Wirklichkeit wurden.

 

1983 zog dann die Zelle in die Obere Wässere und prägte ab sofort von dort aus das Stadtbild und die kulturelle Landschaft von Reutlingen. Bis die Stadtverwaltung die Kernstadterweiterung und damit auch den Abbruch der Zelle plante. Es wurde jahrelang um neue Räume gekämpft, unter anderem gab es die Forderung, nach denen das Café Nepomuk und die Zelle gemeinsam in das Foyer ziehen wollten. Das Foyer wurde für eine Riesenparty besetzt.

 

Nach langen Verhandlungen dann entschied sich der Immobilienhai Schöller zusammen mit der Stadt für einen Neubau auf der Echazinsel (natürlich nicht weil er die Kultur der Zelle unterstützenswert hielt, er wollte lediglich in der oberen Wässere möglichst schnell – Zeit ist Geld – mit Bauen anfangen, und konnte dieses Ziel nur erreichen, wen er auf die Forderungen einer Lösung einging). Das war einerseits ein Erfolg, weil damit die Erhaltung dieses bunten Freiraumes geschafft war, andererseits ist die Zelle jetzt seit 1996 auch weit aus dem Stadtzentrum an die Peripherie verlagert worden.

© Kulturschock Zelle

1/3